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Die Allerweltweisheit, dass man aus Schaden klug wird, scheint für die offenbar an Vergesslichkeit leidenden Schildbürger im Kölner Stadtrat nicht zu gelten. Es ist zwar schon mehr als 16 Jahre her, dass man die KVB mit dem Bau eines Tunnels beauftragte, aber die Folgen sind heute und bis auf weiteres noch rund um das Loch zu besichtigen, über dem früher einmal das Kölner Stadtarchiv stand. Und wie einst die Schildbürger fiel auch die – wenn auch knappe – Ratsmehrheit auf eine Milchmädchenrechnung herein, als sie am 3. April den Bau des Ost-Westtunnels beschloss: Dass von der Milliarde, die für deren Bau veranschlagt werden, doch 85 Prozent durch Bundes-und Landeszuschüsse getragen werden. Als hätte man noch nie etwas davon gehört, dass wenn die Öffentliche Hand baut, die Baukosten sich wie durch Zauberhand vom ersten Tag an rasant erhöhen. Ob Bund und Land da mitziehen, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass die Stadt auf den Mehr- und vor allem den Folgekosten sitzen bleiben wird.
Die unberechenbaren, auf jeden Fall aber enormen Kosten, die den ohnehin knappen Etat der Stadt auf Jahrzehnte belasten würden, sind aber nur das eine Argument, das gegen den U-Bahn-Tunnelbau vom Heumarkt bis zur Moltkestraße spricht. Einmal davon abgesehen, dass der oberirdische Ausbau der Strecke samt einer höheren Taktung der Züge mit sehr viel weniger Geld zu bewerkstelligen wäre. „Weniger ist mehr“ lautet bekanntlich der Wahlspruch der modernen Architektur. Mit einer solchen oberirdischen Lösung erübrigte sich auch die Argumentation der Tunnel-Befürworter, mit dem Tunnel würde es für die KVB-Benutzer schneller und bequemer. Schneller als bisher würde es vielleicht zwei bis drei Minuten gehen. Bequemer aber auf gar keinen Fall, denn das Umsteigen in dann vierstöckigen U-Bahn-Stationen ist bekanntlich äußerst zeitaufwändig und umständlich, zumal für Menschen mit Behinderung. Und ob die KVB es bis dahin geschafft hat, ihre Rolltreppen und Aufzüge endlich zügig zu reparieren, ist auch eher unwahrscheinlich. Wenn sie dann überhaupt noch Geld dafür hat.
Das andere, ebenfalls mit den Kosten zusammenhängende Argument gegen den Tunnelbau ist nämlich, dass durch seine Komplexität alle Energie und alles Personal von KVB und Stadt auf Jahrzehnte allein an dieses Projekt gebunden wäre. Der sonstige, dringend notwendige Ausbau des ÖPNV bliebe buchstäblich auf dieser einen Strecke. Vom Ausbau des Radwegenetzes ganz zu schweigen. „Verkehrswende“ ade! Es kann nur am leicht größenwahnsinnigen Tunnelblick der Tunnelbefürworter liegen, der uns glauben machen will, mit diesem U-Bahnbau würde Köln moderner, großstädtischer, „grüner“ und damit die Luft besser. Eher trifft das Gegenteil zu und die ohnehin grenzwertige Stickoxid- und Feinstaubbelastung in der Stadt wird noch höher. Denn der Tunnel kommt schließlich in erster Linie dem individuellen Kfz-Verkehrs zugute – und das mit Mitteln, die eigentlich für ÖPNV vorgesehen sind!
Doch ist noch nicht aller Tage Abend und es besteht Anlass für die Hoffnung, dass der Kölner Untergrund der Großmannssucht der Tunnelbauer einen Strich durch die Rechnung macht. Denn wer tief in den Boden einer so dicht besiedelten und vor allem 2000 Jahre alten Stadt gräbt, ist vor Überraschungen nicht gefeit. Die Archäologinnen und Historiker freuen sich jedenfalls schon auf das, was da alles zutage kommen und den Maulwürfen vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen wird.
Klaaf-Magazin Köln, Februar-Ausgabe 2026